Interwiew 2009

Autor

Gerd Fierus

Internet

 

Régis Noël: Dass sie sich trauen ihren eigenen Weg umzusetzen.

  In seiner Kunstschule bringt  Régis Noël  Schüler auf eigene gestalterische Wege.

 Régis Noël: Ich versuche die Schüler zu bewegen. Sie sollen sich trauen ihren eigenen Weg umzusetzen. Ich versuche sie auf diesen gestalterischen Weg zu bringen. Und dann ist mir auch wichtig, dass sie dafür gerade stehen.

 Sprache ist für ihn ein wichtiges Kriterium. Régis Noël glaubt, dass nichts schief gehen kann, wenn man eine gewisse Identität in seiner Arbeit hat und auch Humor und Spaß mitbringt. Im Gespräch erläutert Régis Noël seinen kunstpädagogischen Stil:


Régis Noël: Ich glaube, wenn Lernen kein Spaß macht, kann man es vergessen. Dann wird man nicht lernen. Es gibt die Möglichkeit, viele Sachen zu lernen, indem man auch dabei Spaß hat. Und daran glaube ich. Ich bin sogar fest davon überzeugt, alles was man nicht sofort nach dem Lernen benutzt oder umsetzt, kann man vergessen und landet irgendwo in der Vergessenheit. Wenn ich überlege, was ich in der Schule früher gelernt habe und was ich heute noch behalten habe, das sind Sachen, die ich entweder weitererzählt, wiederbenutzt  oder umgesetzt habe. Alles andere ist weg. Ich bin der Meinung, auch in dieser Schule, statt 100 Prozent etwas zu lernen, lernt man nur die 10 Prozent, die man benutzen will. Deshalb gebe ich keine Tipps, ich gebe keinen Kurs, ich stehe zur Verfügung. Und die Schüler müssen fragen, was sie lernen wollen. Denn nur das können sie lernen. Und alles was sie können, das brauchen sie nicht, das müssen sie tun. Und sie müssen lernen zu fragen, was sie nicht können. Und das ist schwierig. Ich habe sehr lange dazu gebraucht, keine Tipps mehr zu geben, denn man möchte gerne als Besserwisser sein Wissen weitergeben. Doch wenn jemand das nicht wissen will, dann stört man ihn. Wenn zum Beispiel jemand was malt und ich würde aus eigener Initiative da was zu sagen, erhalte ich oft die komischsten Antworten. Wenn ich sage:“ Guck mal, da oben stimmt was nicht“ erhalte ich Antworten wie „Habe ich extra gemacht“ oder „Ist noch nicht fertig.“ Da kommt von den Schülern so eine Abwehr, dass ich schon lange gelernt habe, eigentlich nur zu helfen. Wenn mich aber jemand aber darum bittet, stelle ich ihm nur zwei Fragen: Was ihm gefällt und was ihm nicht gefällt. Was ihm gefällt, ist Qualität, und dann sage ich nichts. Nur über das, was ihm nicht gefällt, kann ich eingreifen. Da kann ich ihm helfen, das zu verbessern oder so zu verändern, dass es ihm gefällt. Er muss sein Bild nicht so lassen, wenn ihm das Bild nicht gefällt. Das wäre dann nicht richtig.“  

Régis Noël hat Schüler aller Altersklassen. Die Gruppen werden grob nach dem Alter zusammengesetzt und Jugendliche werden nach Mädchen und Jungen getrennt. In seiner  Kunstschule gibt es aber auch  eine Gruppe mit Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern ohne dass nach  Geschlecht getrennt wird.
Wenn der Künstler beschreibt, was seine Schüler bei ihren Ausstellungen lernen sollen, offenbart sich eine  nicht selbstverständliche Qualität.    

 Régis Noël: Aber die Ausstellung mache nicht ich, wissen Sie. Die Kursteilnehmer müssen alles tun. Sie müssen das Plakat malen. Sie müssen überlegen wann. Sie müssen auch die Werbung machen. Sie müssen die Bilder aussuchen. Sie müssen sie selbst aufhängen. Und sie müssen dann natürlich putzen. Sie müssen auch da sein, wenn die Kunden kommen. Und nur unter diesen Bedingungen können Sie eine Ausstellung machen.

…und wenn anderweitig ausgestellt werden soll?

Régis Noël: Wenn Leute zu mir kommen und sagen: „Ich würde gerne eine Ausstellung haben“, dann ist das möglich. Wir haben das zum Beispiel mal mit einer Kochschule gemacht. Die Schüler sind dorthin gegangen und haben geguckt, wie groß die Räume sind, sie mussten überlegen, wie sie ihre Bilder dort hin bekommen. Ich will, wenn da Bilder verkauft werden, was auch immer wieder passiert, dass den Teilnehmern bewusst wird, was das für eine Arbeit ist. Weil es gibt immer noch Situationen, in denen sie ein Bild einfach irgendwohin bringen zum Beispiel in eine Bibliothek, wo es Freiwillige gibt, die alles aufhängen, die alles tun, alles machen. Wenn sie Glück haben, verkaufen sie dort vielleicht sogar ein paar Bilder. Und wenn man sie anspricht, sagen sie vielleicht: “Es ist voll doof. Man hat nichts zu tun, bringt man die  Sache, kriegt man ein Taschengeld, kommt man irgendwann wieder nach hause, fängt an zu rechnen: wenn ich fünf Bilder pro Woche machen könnte, würde ich so und so viel verdienen, wenn ich das für 100 verkaufe.“  Man bekommt aber ein realistischeres Bild, wenn sie erfahren können, welche arbeit sich dahinter versteckt. Denn es muss vorher auch Werbung gemacht werden, ein Prospekt geschrieben werden,…

 Atelier Régis Noël, Alexander-Coppel-Straße 36, 42651 Solingen
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Das Musiklabor-Interview mit Régis Noël erfolgte am 22.2.2009