Solinger Morgenpost 23 März 2009

Sandra Heinzelbecker

Malen ohne zu denken

 

Vielen ist er ein vertrautes Bild, wenn er mit seinem Roller, barfuss rund um die Güterhallen und im Café Stückgut unterwegs ist. Der quirlige Franzose wurde 1957 in Paris geboren und lebt seit 1991 in Solingen. „Kunstlehrer wollte ich schon immer werden“, erzählt Régis Noёl. Doch in den 70er Jahren hatte er ganz andere Dinge im Kopf. Und dann wurde er erst einmal Marketingleiter. „Das lief viel zu gut, um zur Kunst zurückzukehren.“ Gemalt hat er dabei immer. „Aber ohne künstlerischen Anspruch“, erinnert er sich. „Mir war egal, was ich male.“ Doch mit 40 Jahren begann er, sein Leben zu überdenken und entschloss sich, Künstler zu werden. „Jetzt oder nie.“ Er kündigte und musste sich nun mit seinem künstlerischen Anspruch auseinandersetzen. Mit seiner Familie bewohnte er ein ganz normales Reihenhaus. Dann kam es zu einem Gespräch mit seiner Frau, die ihn fragte, was er tun würde, wenn sie nicht bei ihm wäre. „Ich würde meine Wohnung in ein Atelier umbauen“, sagte er ihr. „Na, dann lass uns das doch machen!“, bekam Régis zur Antwort. So bauten sie ihr Häuschen zu einem Wohnatelier um und Régis Noёl konnte endlich seine Malschule gründen. Dann nahm er die Gelegenheit wahr und zog in die Güterhallen um. Was er in seinem Kunstpädagogikstudium in Köln lernte, hat er jedoch schnell fallenlassen. „Ich möchte etwas anderes anbieten, als die Schulen.“ Wer denkt, er gehe zum Malkurs und bekäme jeden Schritt vorgesagt, der irrt sich gewaltig. „Ich möchte, dass die Leute sich trauen, zu sein, wer sie sind“, erklärt Noёl. „Egal, was sie dabei produzieren.“ Sie sollen ihre eigenen Ideen umsetzen und sich dabei nicht um die Meinung anderer kümmern. Den eigenen Weg zu finden, ist auch für den Künstler ein wichtiges Ziel. „Als Künstler so nah bei sich selbst zu sein, dass ein Bild entsteht, ohne dass man dabei nachdenkt“, wünscht er sich. „Es ist mein Traum, so zu sein, wie ich bin.“ Ob man dann genial sei, sei eine andere Frage, aber man sei auf jeden Fall glücklich.

Seine Bilder sind nicht auf den ersten Blick zu begreifen. Régis Noёl spielt mit verschiedenen Ebenen. „Wenn Du nah rangehst und meinst, Du hast was entdeckt, dann bist Du auf der falschen Fährte“, erklärt er schmunzelnd. Ganz nah, entfernt, weit entfernt – jedes Mal verändert sich die Aussage des Bildes. „Für so ein Bild brauche ich um die 60 Stunden“, so der Künstler. Seit einem Jahr konzentriert er sich auf die Portraitmalerei. Das ist ein enormer Gegensatz, denn hier braucht er für ein Bild nur 10 bis 15 Minuten. Aber es fasziniert ihn. „Es passiert immer etwas.“ Denn Régis Noёl fängt die Persönlichkeit des Menschen in seinen Portraits ein und dann kommt er seinem Ziel schon mal sehr nahe. „Es ist ein Moment, wo der Künstler aufhört zu denken.“