Solinger Morgenpost Von Maxine Herder 18.11.2008

Régis Noel, Künstler und Kunstpädagoge, kochte im Café Stückgut für rund 50 Gäste ein Drei-Gänge-Menu. Foto: Thilo Saltmann

Ein perfektes Dinner

Solingen (RP) In der vergangenen Woche war Güterhallen-Künstler Régis Noel in der Kochsendung „Das perfekte Dinner“ zu sehen. Jetzt kochte er sein Menü für 50 Gäste im Lokal Stückgut im Südpark nach.

Die schweren, weißen Holztische sind festlich gedeckt, Kerzen tauchen den hohen Gastraum des Lokals „Stückgut“ im Südpark in ein gedämpftes Licht. Nahezu jeder Platz ist an diesem Abend besetzt, leise unterhalten sich die rund 50 Gäste, immer wieder blicken sie erwartungsvoll in Richtung Küche. Dort steht, an den Tresen gelehnt und in der Hand ein Glas Rotwein, Güterhallen-Künstler Régis Noel. Auf dem Kopf sein Markenzeichen: ein schwarzer Hut. Über seinem weißen Hemd trägt er eine weinrote Kochschürze, an den Füßen, ausnahmsweise, Sandalen. Dass er meist barfuß und stets ohne Socken auftaucht, ist sein zweites Markenzeichen. „Aber ohne Schuhe wollten die mich nicht in die Küche lassen“, erzählt der 51-jährige schmunzelnd.

Wiesensalat und Kalbsbrust

Er wirkt gelassen, und ist doch ein bisschen aufgeregt, wie er leise zugibt, für so viele Menschen habe er schließlich noch nie gekocht – und die Erwartungen an den Künstler und Kunstpädagogen sind an diesem Abend hoch: Nicht weniger als ein „perfektes Dinner“ wünschen seine Gäste, deshalb sind sie schließlich hier. Denn nachdem Noel in der vergangenen Woche in der Kochsendung „Das perfekte Dinner“ zu sehen war, kocht er sein dreigängiges Menü an diesem Abend für seine Gäste im Stückgut. Auf der Speisekarte: Wiesensalat mit pochiertem Ei und Speck als Vorspeise, Kalbsbrust mit Semmelbröseln gefüllt an frischen Waldpilzen als Hauptgang, und zum Dessert Griesflammeri mit Holundersauße. „Die Idee für das Menu stammt von einem Freund“, erzählt der gebürtige Franzose Noel, bevor er einen kleinen Schluck von seinem Rotwein nimmt, „es war mir wichtig, etwas zu kochen, das man in der Zeit gut schaffen und mit regionalen Zutaten zubereiten kann.“

Die Holunderbeeren habe er sogar selbst in der Nähe seines Ateliers gepflückt. „Eine Woche vor der Aufzeichnung der Sendung habe ich das Menu probeweise gekocht und es hat ausgezeichnet geschmeckt“, erinnert sich Noel – und doch ging bei seinem perfekten Dinner im Fernsehen schließlich alles schief: „Mein Ofen hat nicht mitgespielt, als ich die Kalbsbrust nach vielen Stunden rausholte, war sie noch nicht gar. Ein schwieriger Moment und riesiges Pech“, bedauert Noel. Und so ist es zuletzt auch nicht der erste Platz geworden, den Noel, wie er scherzhaft sagt, eigentlich verdient hätte, sondern der Vierte: „Trotzdem habe ich keine Sekunde bereut, mitgemacht zu haben. Meine vier Mitstreiter waren sehr nett, die Stimmung war toll“, freut sich der 51-Jährige.

Auf einer großen Leinwand schauen seine Gäste indes eine Aufzeichnung der Sendung, sehen wie der Künstler Eier trennt, die Kalbsbrust näht oder die Holunderbeeren auspresst, immer wieder ist lautes Lachen zu hören. In der Küche herrscht währenddessen Hektik: 50 weiße Teller müssen mit Salat, Ei und Speck bestückt werden. „Ohne die Mannschaft des Stückguts wäre das hier gar nicht möglich gewesen“, sagt Noel, während er die Speckstreifen sternförmig auf dem Salat dekoriert. Dann muss alles ganz schnell gehen: Die Teller müssen an die Tische gebracht werden, die Gäste warten schon.

„Wir kennen Régis Noel persönlich und fanden es so toll, dass er bei der Kochshow mitgemacht hat“, erzählt Rüdiger Grimm nach der Vorspeise. „Die Vorspeise war richtig gut“, schwärmt der Solinger, „von uns bekommt er dafür acht Punkte.“ Denn, so der Clou des Abends, wie in der Fernsehsendung bewerten die Gäste ihren Koch mit Punkten von eins bis zehn.

Bei der Hauptspeise herrscht Uneinigkeit: „Die Beilagen waren perfekt, aber die Kalbsbrust fand ich einfach nicht so lecker“, schließt sich Rüdiger Grimm dem Urteil von Noels Fernseh-Mitstreitern an. Sitznachbar Friedhelm Pesch sieht das anders: „Ich finde das Fleisch ziemlich gut“, ist er begeistert. Und so steht am Ende zumindest eines fest: Über Geschmack lässt sich nicht streiten.